Die Stadt Leipzig schaltet an zwei Standorten die Straßenlaternen ab. Damit soll für weniger Lichtverschmutzung gesorgt und Geld gespart werden. In den betroffenen Abschnitte gibt es weder Rad- noch Fußwege, die Verkehrssicherheit soll deshalb nicht leiden. Experten sehen in einem Abschalten der Beleuchtung Vorteile für Menschen und Tiere.
Rund 270 Straßenlaternen bleiben in Leipzig jetzt aus. Sie säumen zwei Straßen, auf denen nur Autos unterwegs sind, Rad- und Fußwege gibt es hier nicht. Die Stadt Leipzig wolle damit die Lichtverschmutzung reduzieren, erklärt Sebastian Lindhorst, Leiter der Abteilung Verkehrsmanagement und Beleuchtung.
Einsparungen von mehr als 23.000 Euro pro Jahr
„Bei Straßen durch ein ökologisch sensibles Gebiet wie der Wundtstraße käme man heute sicherlich nicht mehr auf die Idee, eine Beleuchtungsanlage aufzubauen“, so Lindhorst. Er freue sich deshalb, dass Leipzig an den beiden Straßen jetzt dunkler werde. Nebenbei werde die Stadt so voraussichtlich 23.500 Euro Strom- und Wartungskosten pro Jahr einsparen können.
Was die Stadt Leipzig genau plantIn der Woche ab 5. Oktober 2026 sollen 278 Straßenlaternen abgeschaltet werden. Dazu zählen die Straßenleuchten in der Wundtstraße südlich der Brücke über den Schleußiger Weg (Südvorstadt) sowie in der Travniker Straße zwischen Defoestraße und Linkelstraße (Möckern und Wahren). Damit sollen Stadtangaben zufolge rund 83.000 Kilowattstunden Energie im Jahr eingespart werden. Nach einem Jahr Testphase will die Stadt die Auswirkungen der Abschaltung auf Ökosystem, Verkehrssicherheit und Kosten analysieren. Erst dann soll über einen eventuellen Rückbau entschieden werden. |
Sabine Frank ist Nachtschutzbeauftragte im Landkreis Fulda und berät Kommunen zum Thema Nachtabschaltungen. Ihrer Meinung nach müsse das Thema Beleuchtung mehr auf die Fußgänger ausgerichtet werden, statt auf die Fahrbahn. So würden Lampen manchmal direkt am Rand des Bürgersteigs stehen und auf die Fahrbahn leuchten. Zudem würden häufig auch sehr hohe Masten genutzt.
Nachthimmel wird immer heller – Folgen für Gesundheit
Deutschland ist in den vergangenen 30 Jahren immer heller geworden – mit fatalen Folgen für Menschen und Tiere. „Wenn es in Leipzig bewölkt ist, ist der Nachthimmel heller als der Vollmond und das dauerhaft. Das heißt, der Schlaf wird beeinflusst der Hormonhaushalt, damit die Immunantwort“, erklärt Sabine Frank. Auch Stress und Erschöpfung seien Symptome.
Bei Tieren verändern sich Räuber-Beute-Beziehungen, die Fortpflanzung und zudem gingen Lebensräume verloren.
Nachtabschaltungen mit Energiekrisen häufiger
Dabei waren Nachtabschaltungen lange üblich – bis auf LED umgerüstet wurde. Denn so gab es für viele Kommunen eine Stromersparnis mit mehr Licht. Erst mit den Energiekrisen der vergangenen Jahre seien Nachtabschaltungen wieder relevant geworden.
Auch in Sachsen haben sich zwischen 2022 und 2023 viele Kommunen fürs ganze oder teilweise Abschalten der nächtlichen Straßenbeleuchtung entschieden, darunter etwa Delitzsch, Taucha, Eilenburg oder Colditz.
Licht spielt bei Verkehrsunfällen eine Rolle
Licht könne bei Verkehrsunfällen zudem eine Rolle spielen, sagt Henrik Liers, Geschäftsführer der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden. Denn Spiegelungen und Blendungen können einen negativen Einfluss haben. Andererseits spiele die Sichtbarkeit besonders für Fußgänger und beim Überschreiten der Fahrbahn eine große Rolle.
„Fußgängerüberwege sollten unbedingt auch künstlich beleuchtet sein. Ausfallstraßen auf denen sowieso kein Fußgänger- oder Radverkehr herrscht, brauchen keine eigene Beleuchtung“, so Liers. Denn die Lichtsysteme der Autos seien in den vergangenen Jahren stärker und besser geworden. Abschalten wäre also an vielen Straßen denkbar.
Die Nachtschutzbeauftragte Sabine Frank aus dem Landkreis Fulda sagt zudem, wir könnten uns auch einfach wieder an weniger Licht gewöhnen. „Halbmond reicht schon, um alles zu sehen. Bei Vollmond sieht man Farben. Das heißt, wir könnten ganz deutlich mit der Beleuchtung runter und es wird noch nicht mal einer merken.“
Quelle: mdr.de
Symbolbild: Magnific KI

