Als der ehrgeizige Plan für den Harthkanal zwischen dem Cospudener und dem Zwenkauer See wegen instabilen Untergrunds und Rutschungsgefahr endgültig baden ging, schien der Wassertourismus im Leipziger Südraum isoliert zu sein. Doch weit gefehlt. Stattdessen präsentierten Planer und Ingenieure eine Idee, die wie das Drehbuch einer Steampunk-Utopie klingt: ein Projekt Schiffseisenbahn am Cospudener See. Ja, richtig gehört – statt Wasser zu graben, soll eine Eisenbahn für Schiffe gebaut werden. Mitten über das trockene Land.
Ein Wunder-Zug für Yachten und Motorboote
Die neue Machbarkeitsstudie des Zweckverbandes „Grünes Ring“ schlägt eine spektakuläre Alternative zur klassischen Schleuse vor. Ein spezieller Schrägaufzug auf Schienen – im Grunde eine gigantische Trockeneisenbahn – soll Boote und Jachten aus dem einen See aufnehmen, sie auf Schienen über die Landbrücke transportieren und im anderen See wieder zu Wasser lassen.
Die Kosten für diese futuristische Attraktion werden auf 93 Millionen Euro geschätzt. Für dieses Geld würde die Region ein weltweit einzigartiges touristisches Highlight erhalten und Bootsbesitzer den lang ersehnten Übergang. Doch wie so oft ist die Sache nur auf dem Papier des Ingenieurbüros ICL eine runde Angelegenheit.
Kampf um das stille Ufer: Ökologen schlagen Alarm
Das Hauptproblem: Die von den Experten favorisierte Trasse für das „Schienenschiff“ verläuft genau über die südliche Landzunge des Cospudener Sees. Und diese ist ein streng geschütztes Naturareal – einer der letzten ruhigen Rückzugsorte am See, abseits der Badestrände, wo seltene Wasservögel ungestört brüten.
Der Umweltverein Ökolöwe und die Grünen schlagen bereits Alarm. Die Naturschützer sind überzeugt, dass das Projekt Schiffseisenbahn am Cospudener See dieses wertvolle Biotop unwiderruflich zerstören wird. Zudem müsste für den Ansturm an Spitzentagen ein riesiger Parkplatz für 1500 Fahrzeuge entstehen. Das bedeutet rund 30.000 Quadratmeter Asphalt – oder vier Fußballfelder – mitten in der Natur.
Rechnet sich die Landschifffahrt überhaupt?
Während die Befürworter einer „Schifffahrt um jeden Preis“ von Touristenströmen träumen, stellen Skeptiker in den lokalen Medien längst die Kernfragen:
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Grundwasser: Wenn der Boden hier so instabil єst, dass ein Betonkanal bricht, halten die Schienen dann tonnenschwere Züge mitsamt Schiffen?
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Wirtschaftlichkeit: Wie viel muss eine Überfahrt mit diesem „Zug“ kosten, um 93 Millionen Euro Investitionen wieder einzuspielen – ganz zu schweigen von Wartung, Betrieb und den unvermeidlichen Gerichtskosten mit Umweltverbänden?
Was einst als beschaulicher Kanal für Paddler und Kanuten begann, ist zu einem finanziellen Giganten mutiert. Dem Leipziger Neuseenland steht die wohl heißeste ökologische und finanzielle Debatte des Jahres bevor.
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Der Artikel wurde von Stanislav Mustaiev vorbereitet
Die Illustration wurde von der künstlichen Intelligenz Google Gemini generiert

