Safran-Ernte ist nichts für Langschläfer. Noch bevor die Sonne so richtig auf das Feld in Lipsa (Oberspreewald-Lausitz) scheint, müssen die Krokusse abgeerntet sein. Sonst würden sich die lila Blüten öffnen, wären dadurch schwerer zu pflücken – und die darin enthaltenen roten Safran-Streifen verlören an Qualität.
Pflücken müssen Matthias Trentzsch und seine Helfer eine Menge. „Wir brauchen pro Gramm Safran ungefähr 250 Blüten“, sagt er. An diesem Tag rechnet Trentzsch mit bis zu 4.000 Blüten, an anderen Tagen sei aber auch mehr möglich. „Wir haben vorige Woche einen Tag mit 30.000 Blüten gehabt.“ Es komme immer auf das Wetter an, die Temperatur. „Da haben wir bis jetzt in diesem Jahr Glück gehabt“, sagt Trentzsch.
2020 fing für ihn alles an. Die sandigen Böden der Region ermöglichen den Anbau. Testweise wurden die ersten Knollen in den Boden gesteckt. Am Ende der ersten Ernte zählte Trentzsch 35 Gramm Safran. Im letzten Jahr war es erstmals mehr als ein Kilogramm.
Inzwischen baut er Safran auf einem Dreiviertel Hektar an und hat damit die größte Anbaufläche Deutschlands. In diesem Jahr rechnet er mit damit, eine halbe Millionen Blüten zu ernten. Das könnte einen Ertrag von etwa zwei Kilogramm bedeuten. Vier bis fünf Wochen dauert die Ernte, bis Anfang November.
Alles per Hand – noch
Die Idee zum Anbau sei nach Krankheitsfällen in der Familie gekommen, berichtet Trentzsch. „Da sind wir darauf gekommen, dass selbst die Schulmedizin am Safran interessiert ist.“
Ein halbes Gramm aus Südbrandenburg kostet 25 Euro. Ernte, Verarbeitung – alles passiert hier in reiner Handarbeit. Doch das soll sich ändern. „Wir wollen diese Handarbeit automatisieren.“ Ein Zwischenschritt dahin ist ein Ernte-Optimierer Marke Eigenbau, auf dem der gelernte Mechatroniker über sein Feld fährt und die Blüten so liegend ernten kann.
Noch fummeliger als die Ernte ist die Weiterverarbeitung. Denn die roten Fäden müssen per Hand aus der Blüte gepult werden. Mehr als zwei Kilo sind da in seiner Situation kaum möglich.
„Rein händisch sind wir, glaube ich, jetzt schon an der Grenze“, sagt Trentzsch. „Es ist zeitlich kaum noch machbar. Ohne Freunde und Familie würde das nicht funktionieren, am Abend hier vier, fünf Stunden mit 15, 20 Leuten zu sitzen und Safran zu zupfen.“ Deshalb müsse im nächsten Jahr die erste Teilautomatisierung funktionieren, sagt er – „ansonsten können wir nicht mehr alles verarbeiten, was wir auf dem Feld pflücken.“
In fünf bis zehn Jahren soll das Gewürz nur noch von Maschinen geerntet und verarbeitet werden. Um diese Automatisierung voranzubringen, reinvestiert Trentzsch den Umsatz und arbeitet nebenher auch noch in einem weiteren Job, wie er sagt.
Den Safran verkauft er online – unter anderem an Restaurants, Imkereien oder Schnapsbrennereien. Bis Anfang November wird noch per Hand geerntet. Danach beginnt die technische Tüftelei, damit bei einer der Ernten der nächsten Jahre niemand mehr früh morgens aufs Feld muss.
Quelle: rbb24.de
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