Beauty Exchange: Wer schön sein will, muss hier nicht leiden

Salon des Beauty Exchange

Schönheit verbindet: Beim Beauty Exchange in der Leipziger Völkerfreundschaft in Grünau treffen kostenlose Schönheitsbehandlungen auf sozialen Austausch. Wer mitmachen möchte, hat im Oktober noch am 16., 28. und 30. jeweils von 15 bis 18 Uhr Gelegenheit dazu.

Hier geht’s zum Programm.

Ein Schnitt, der verbindet

Xenia mit ihren gut schulterlangen Haaren vor ihrem Haarschnitt und das Endergebnis.

Xenia, 18 Jahre alt, war am vergangenen Mittwoch zum ersten Mal im Grand Beauty Salon in der Völkerfreundschaft in Grünau. Sie kam gleich um 15 Uhr und hatte ein klares Ziel: ihr bis über die Schulter fallendes, dickes Haar sollte es massiv an den Kragen gehen. Sie wurde von William auf einen Friseurstuhl gebeten, zeigte ihm ein Foto, wie sie sich das Ergebnis in etwa vorstellte und er legte los. William ist 39 und verließ seine Heimat Venezuela vor fünf Jahren, als das Land in einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise steckte. Er ist ausgebildeter Stylist: „Ich kann eigentlich vieles. Haare schneiden, stylen, ich kann auch professionelles Make-up machen“, berichtet er. Sein Ziel sei jetzt, in Deutschland nochmals eine Ausbildung zum Friseur zu machen, um Arbeit zu finden. Hierfür benötige er aber ein Sprachniveau von B1, also versuche er, so viel wie möglich ins Gespräch zu kommen. Bei Sprachschulen habe er bisher nie einen Platz bekommen. In diesem Fall war dies Xenias Fähigkeit, die sie im Gegenzug zum Haarschnitt mit in den Salon brachte. Sie unterhielt sich mit William.

Kaffee, Kuchen und gegenseitige Hilfe

Mitten im Schönheitssalon seht ein großer Tisch, es gibt Kekse und Kaffee oder Tee. Während einige Gäste sich schön machen ließen, läuft hier nebenbei ein Sprach-Café. Beispielsweise kommen hier Mütter und Väter, die ihre Kinder begleiten, untereinander und mit den Freiwilligen des Beauty Exchange ins Gespräch. An der Wand neben dem Tisch befindet sich eine große Tafel. Einerseits haben hier die freiwilligen Stylisten neben kleinen Fotos von sich aufgeschrieben, wobei sie gerne Hilfe haben würden. Eine junge Frau sucht zum Beispiel jemanden, der für sie bei Arztterminen übersetzen hilf. Eine andere sucht ganz allgemein jemanden, mit dem sie Deutsch üben kann. Wieder ein anderer möchte eine Ausbildung zum Floristen machen und sucht auf diesem Weg einen Minijob oder ein Praktikum in diesem Bereich. Jeder hat seine Kontaktinformationen hinterlassen. Vor Kurzem passte es so gut, dass eine Frau, die sich die Haare machen ließ im Anschluss einem Freiwilligen gleich beim Ausfüllen behördlicher Anträge half, da sie sich hier gut auskannte.

Von Augenbrauenstyling bis Henna-Tattoo

Barin kommt ursprünglich aus Syrien organisiert das Projekt seit einem halben Jahr mit. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Haarschnitte und Augenbrauenstyling am gefragtesten seien. Gesichtsmassagen würden auch öfter angefragt. „Wir feilen und lackieren auch Nägel, aber irgendwie ist das Interesse da nicht so groß“, berichtet sie, dafür sei eine Aktion mit Henna-Tattoos vor kurzem richtig gut angekommen. Der Beauty Exchange hat drei Teams mit insgesamt zwölf Mitarbeitern und Freiwilligen — eines für mittwochs, eines für freitags und eines für ihre „On-Tour-Projekte“. Bei diesen bietet der Beauty Exchange in kleinerem Rahmen seine Angebote zum Beispiel auf größeren Straßenfesten an.

Zöpfe flechten, Brücken bauen

Die siebenjährige Cleo hat sich sogenannte "Boxer Braids" im Beauty Exchange flechten lassen.

Bei einem solchen Straßenfest lernte auch Anne das Projekt kennen. Sie kam am Mittwoch mit ihrer siebenjährigen Tochter Cleo. Cleo wollte gerne eng am Kopf liegende Zöpfe, so genannte Boxer Braids, haben. Eine Stylistin flocht ihr gleich noch etwas Kunsthaar in ihre Haare mit ein, sodass die Kleine am Ende zwei richtig lange Zöpfe über den Rücken hängen hatte. Sie war glücklich und sagte zu ihrer Mama, dass sie sich ihre eigenen Haare nun unbedingt wachsen lassen wolle. Am Ende ließ Anne Barin und ihrem Team ihre Kontaktdaten da. Sie arbeitet in einer Leipziger Begegnungsstätte, hat eine Kollegin, die Arabisch und Deutsch spricht und bot an, dass Menschen, die Hilfe beim Übersetzen bräuchten, sich gerne an die Begegnungsstätte wenden können.

Hintergrund des Projekts zusammengefasst

Hinter dem Beauty Exchange steht die transkulturelle Initiative Grand Beauty, die seit 2014 Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zusammenbringt. Das Projekt des gemeinnützigen Leipziger Vereins Interventionsbüro e.V. nutzt das Thema Schönheit, um Begegnungen zu ermöglichen, Vorurteile zu hinterfragen und einen offenen Austausch zu fördern. Beim Beauty Exchange werden kostenlose Schönheitsbehandlungen mit einem solidarischen Tauschprinzip verbunden: Die Teilnehmenden können eigene Fähigkeiten, Zeit oder andere Beiträge einbringen. So entsteht ein Begegnugsraum, in dem neben äußerer Schönheit auch Vielfalt, gegenseitige Fürsorge und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Mittelpunkt stehen.

 

Fotos: Autorin

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