Eichenprozessionsspinner: Gefahr durch eine unscheinbare Raupe

Eichenprozessionsspinner

Er sieht harmlos aus, doch seine winzigen Brennhaare haben es in sich: Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Deutschland immer weiter aus – mit Gefahren für Mensch und Tier. Warum das so ist und was hilft.

Eigentlich sieht der Falter ganz harmlos aus: zwei braun-graue Flügel, ein bisschen buschig: „Die meisten von uns werden den als Falter oder als Schmetterling auch gar nicht so wahrnehmen. Die fliegen ja auch nachts“, sagt Dominik Wonsack von der Forstlichen Versuchsanstalt in Baden-Württemberg (FVA). Er beobachtet im Wald und am Waldrand, wann und wie schnell sich der Eichenprozessionsspinner entwickelt.

Für uns Menschen besonders im Fokus dabei: die Raupen mit ihren Brennhaaren: „Die sind ganz ganz klein, man kann sie mit dem Auge gar nicht sehen. Aber sie haben zwei fiese Eigenschaften.“

Kommen Menschen oder auch Tiere wie Hunde mit diesen Haaren in Kontakt, etwa weil der Wind sie durch die Luft trägt, entsteht ein Juckreiz. Denn diese winzigen Brennhaare der Raupen enthalten Nesselgift und haben Widerhaken: „Wenn ich dann diesem Reiz nachgebe und anfange auf der Haut rumzureiben, treibe ich diesen Widerhaken immer weiter in die Haut und verschlimmere das Ganze“, so Wonsack.

Brennhaare können Ausschläge verursachen

Ausschläge mit Schwellungen und Quaddeln sind typische Symptome. Werden die Härchen eingeatmet, kann es zu Atembeschwerden oder sogar Atemnot kommen. Kommen die Raupenhärchen ins Auge, ist häufig eine Bindehautentzündung die Folge. Im schlimmsten, aber eher seltenen Fall können auch Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit, Fieber oder Schüttelfrost auftreten. Bedeutet: Es kann zum anaphylaktischen Schock kommen.

Wann geht vom Eichenprozessionsspinner die meiste Gefahr aus?

Ab ihrem dritten Larvenstadium sind die Raupen des Eichenprozessionsspinners für uns Menschen besonders gefährlich, denn dann entwickeln sie ihre giftigen Brennhaare. Je nach Wetterlage kann das laut Naturschutzbund NABU schon Ende April oder Anfang Mai passieren. Die Raupen sind dann in großen Gruppen unterwegs und bilden Nester meist auf Eichen. In dieser Zeit fliegen die meisten Härchen durch die Gegend. Die Gefahr bleibt bis in den Juni hinein bestehen, danach verpuppen sich die Raupen. Zwar sind die geschlüpften Nachtfalter des Eichenprozessionsspinners für uns harmlos. Doch die Brennhaare aus den leeren Nestern bleiben noch mehrere Jahre lang für uns gefährlich. Aus diesem Grund ist es ratsam, die Nester entfernen zu lassen.

Klimaerwärmung begünstigt Ausbreitung

Zwischen Mitte April und Juni ist für die Raupenbekämpfer Hauptsaison. Denn dann sind die meisten Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren unterwegs. Die Meldungen sind seit der Jahrtausendwende immer mehr geworden, sagt Wonsack: „Wir sind noch vorsichtig zu sagen, es liegt allein am Klimawandel, dass wir in den letzten Jahren mehr Eichenprozessionsspinner sehen. Dafür bräuchten wir einfach noch wesentlich mehr Daten und Zeitreihen. Aber es ist natürlich schon naheliegend, dass diese warmen, trockenen Jahre diese Art einfach fördern.“

Auch Norbert Geisthoff von Wald und Holz in Nordrhein-Westfalen beobachtet diesen Trend. Es wird in der Tendenz früher im Jahr wärmer, die Winter sind milder. Das sind ideale Lebensbedingungen für den wärmeliebenden Falter: „Es ist ein Schädling im Wald, mit dem wir leben werden müssen.“

Falter kommt aus Süd- und Osteuropa

Eigentlich kommt der wärmeliebende Nachtfalter eher in Süd- und Osteuropa vor, in den vergangenen 20 Jahren hat er sich aber weiter in den Norden und auch nach Deutschland ausgebreitet. Der Deutsche Wetterdienst informiert auf einer Karte darüber, wo potenziell der Eichenprozessionsspinner vorkommen könnte, je nach Entwicklungsstadium.

Kommunen und Forstämter warnen vor Befällen. Rheinland-Pfalz gibt an, den Eichenprozessionsspinner im Staatswald nicht zu bekämpfen und keine Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Stattdessen informieren Landesforsten mit Hinweisschildern.

Bekämpfung mechanisch – Forschung an neuen Methoden

In Stadtnähe greifen Kommunen auf unterschiedliche Möglichkeiten zurück, wie Norbert Geisthoff erklärt: „Meistens werden die Raupennester abgesaugt, manchmal werden die Raupennester noch abgebrannt.“ Das sei allerdings für die Anwender und Anwenderinnen mit einem höheren Risiko der Kontamination verbunden. Die Brennhaare würden dabei durch die Luft schwirren: „Man muss sich auch richtig schützen, am besten mit einem doppelten Schutzanzug, wenn man diese Raupennester entfernt.“

Außerdem können auch Ringe rund um den Stamm gewickelt werden mit einem Fraßstoff, der die Raupen in einen daran befestigten Plastiksack locken soll. Anschließend werden die Raupen verbrannt.

(Text gekürzt)


Quelle: tagesschau.de/SWR

Bild: Wikimedia Commons/Luc Hoogenstein