In der Galerie für zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig läuft seit September 2025 bis Ende
2027 das Projekt „Studio Inklusiv“. Ziel: Das Museum möchten Menschen mit und ohne Behinderung einen Raum geben, sich kennenzulernen.
Das Projekt führt Teilnehmende und Künstler*innen, unterstützt von freiwilligen Helfer*innen, über gemeinsame kreative Kurse zusammen. Paula Gehrmann dokumentiert das Projekt künstlerisch: „Die Galerie kann sich hier auch für neue Interessengruppen öffnen. Es sind dann nicht immer nur, ganz klassisch, Akademiker, die in die Galerie kommen. Zu unserem Projekt kommen auch Menschen, die zuvor vielleicht noch nie in einem Museum waren.“
Die Idee des „Studio Inklusiv“
„Studio Inklusiv“ ist ein Projekt der Vermittlung. Sein Kern ist die Entstehung von sogenannten „mixed abled teams“: In den Projektgruppen arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung sowie
Menschen mit chronischen Erkrankungen gleichberechtigt zusammen. Auch die mitwirkenden Künstler*innen haben zum Teil Einschränkungen. Ein Kurs geht über sechs Wochen, jeweils samstags von 14 bis 16 Uhr. Teilnehmende können unangemeldet jederzeit vorbeikommen, auch während eines laufenden Kurses, und wiederkommen, wann und wie es ihnen passt. Das Projekt hat auch Fahrdienste und Wegbegleitungen organisiert. Nach jedem sechswöchigen Kurs gibt es eine zweiwöchige Pause, dann startet der nächste Kurs. Siehe Link: Studioinklusiv
Wie riecht ein Zedernzweig?
Letzten Samstag, am 19. September, fand die fünfte Veranstaltung von „Unsere Sinne malen Bilder“ mit den Malerinnen Juliana Ortiz und Louisa Pieper statt. Das Thema: Riechen. In der Mitte des Raumes standen zusammengerückte Tische, rundherum konnten sich Teilnehmende, Künstlerinnen und Helferinnen ihre Plätze aussuchen. Auf den Tischen waren vier Stationen arrangiert: Zwischen Stoffen in passenden Farben standen und lagen Zedernzweige, Schüsseln mit getrocknetem Lavendel und Zucker aus der Tonka-Bohne und aufgeschnittene Zitronen. Zwischendrin waren Klebestifte, Scheren, kleine Krüge mit Tusche, Buntstifte und Papiermaterialien in allen Farben und Formen verteilt.

Eine Geburtstagsüberraschung
Zehn vor zwei kamen die ersten Teilnehmenden. Mike war besonders aufgeregt. Er kommt zusammen mit einer Mitbewohnerin aus dem Martinstift, Nicole, schon von Anfang an zu dem
Projekt. Ein paar Tage zuvor ist er 53 Jahre alt geworden. Bevor die Veranstaltung beginnt, singen erst einmal alle laut „Happy Birthday“ – Mike strahlt übers ganze Gesicht und klatscht. Zu seinen Ehren gab es diesmal auch zwei bunte Kuchen (Super saftig!).
Gemeinsam entstehen kreative Ideen
Paula führt kurz in die Veranstaltung ein. Sie betont, dass jeder jederzeit die Möglichkeit habe, sich ins Museum oder die Bibliothek zurückzuziehen, sollte jemand etwas Abstand oder Ruhe brauchen: „Nur bitte ohne Kuchen und nicht mit Farbe an den Händen!“, fügt sie lachend hinzu. Die Malerin Louisa, selbst schwerhörig, erklärt den Teilnehmenden anschließend, worum es es diesmal geht: „Ihr seht hier Zedernzweige, Zitronen und so weiter. Fasst sie an, riecht daran. Vielleicht denkt ihr an etwas oder ihr habt Lust, zum Beispiel einen Zweig oder eine Frucht zu malen. Ihr könnt auch Stoffe oder Papier aufkleben, macht, wozu ihr Lust habt.“ Anfangs gibt es ein kleines Durcheinander, viele möchten tuschen, Farben werden hin und her gereicht. Allmählich kehrt Ruhe ein. Eine Freiwillige beginnt, die halbierten Zitronen als Stempel mit Tusche zu verwenden. Das findet begeisterten Anklang. Viele streuen getrockneten Lavendel auf die noch nasse Tusche. Ein richtiger Renner sind die Duftöle, die auf kleine aufgeklebte Stoffreste geträufelt werden. Und so werden die entstandenen Werke wohl noch eine Weile auch für die Nase ein kleines Erlebnis bleiben.

Ausblick
Kommenden Samstag gibt’s die letzte Veranstaltung zum Thema „Unsere Sinne malen Bilder“. Hier wird sich nochmals allen fünf Sinnen in Kombination gewidmet und Teilnehmende können sich auf kreative Ideen freuen und eigene einbringen. Auch zu dieser letzten Veranstaltung sind Neulinge herzlich eingeladen. Nach zweiwöchiger Pause startet dann das nächste Projekt. Paula hat bereits verraten, dass es dieses Jahr noch ums Thema Sound gehen wird und eine Performance-Künstlerin fürs Studio Inklusiv gewonnen werden konnte.
In eigener Sache
| Ab Januar 2027 starten auch wir, der Integrationsverein Leipzig „Brücke der Kulturen“, ein barrierefreies Projekt, hier speziell für Blinde und Sehbeeinträchtigte. Beim „Theater der Sinne“ wird ein Theatererlebnis entstehen, das Menschen mit und ohne Sehbehinderung gemeinsam erleben können: Im Mittelpunkt stehen die anderen vier Sinne. Im Tonstudio werden Geräusche und Stimmen aufgenommen, Düfte kommen zum Einsatz und kleine Gegenstände zum Ertasten werden eine Rolle spielen: Theater der Sinne – Barrierefreies Projekt für blinde und sehbeeinträchtigte Jugendliche | Brücke der Kulturen e.V. |
Fotos: Autorin

