Waschbären-Plage in Sachsen

Waschbären

Waschbären-Plage in Sachsen: Nabu Leipzig befürwortet Nutzung von Fleisch und Pelz

Trotz jährlich rund 27.000 erlegter Waschbären in Sachsen nimmt der Bestand der invasiven Art nicht spürbar ab. Während die Grünen im Landtag deshalb eine Sterilisation gefangener Tiere vorschlagen, hält der Naturschutzbund (Nabu) eine gezielte Bejagung in besonders sensiblen Gebieten weiterhin für das sinnvollste Mittel. Gleichzeitig spricht sich der Verband dafür aus, erlegte Tiere möglichst vollständig zu verwerten.

Nabu-Experte René Sievert aus Leipzig begrüßt es, wenn Fleisch und Fell von Waschbären genutzt werden, statt die Tiere zu entsorgen. Das sei „auf jeden Fall sinnvoll, sagte er MDR SACHSEN. Wenn Tiere ohnehin erlegt würden, sei die Verwertung „ein positiver Aspekt von dem, was man hier ohnehin tötet“. Das Fleisch spiele bisher zwar eher eine Nebenrolle, könne aber durchaus genutzt werden.

Auch die Vermarktung von Fellen sieht der Naturschützer grundsätzlich positiv. Der Nabu rate auch Menschen nicht davon ab, Mützen oder andere Produkte aus Waschbärfell zu kaufen. „Das ist am Ende eine Entscheidung, die jeder selber treffen muss“, sagt der Leipziger Nabu-Vorsitzende. Aus ökologischer Sicht könne ein solcher Markt „durchaus von Vorteil“ sein.

Bedenken, dass die Nutzung von Fleisch und Pelzen einen zusätzlichen Jagdanreiz schaffen könnte, teilt der Naturschützer nicht. Im Gegenteil: „Das ist ja genau die Absicht dabei“, betont er. Eine generelle Verpflichtung, den Bestand der Waschbären zu redeuzieren gebe es zwar nicht, dennoch sei es nachvollziehbar, wenn Jäger die Tiere nutzen und verwerten.

Gleichzeitig dämpft Sievert die Erwartungen an die Wirksamkeit der Jagd. Erfolge seien nur in klar abgegrenzten Bereichen möglich. „Es gibt solche Beispiele, auch deutschlandweit“, sagt er. Gemeint seien Naturschutzgebiete, Vogelschutzinseln oder eingezäunte Areale wie Kleingartenanlagen. Dort könne ein intensiver Fang oder eine gezielte Bejagung dazu beitragen, Amphibien, Brutvögel oder andere gefährdete Arten zu schützen. „Auf der gesamten Fläche Deutschlands gelingt es nicht, diese Art wieder zu dezimieren“, stellt Sievert aber klar.

Für Städte wie Leipzig hält Sievert eine großflächige Bejagung aber für wenig erfolgversprechend. Einzelne Tiere zu töten, führe dort nicht zu einer dauerhaften Verringerung des Bestands, weil durch Zuwanderung und hohe Reproduktionsraten immer wieder neue Waschbären nachrückten. Um das Waschbärproblem besser in den Griff zu bekommen, hält Sievert auch mehr Informationen für Bürger über die Tiere sinnvoll.

Nabu-Experte: Sterilisation von Waschbären keine Lösung

Kritisch bewertet der Nabu-Experte den Vorschlag der Fraktion der Grünen im Sächsischen Landtag, Waschbären zu sterilisieren und anschließend wieder freizulassen. Ein solches Verfahren sei „mit einem enormen Aufwand verbunden“ und verursache erhebliche Kosten. Zudem sieht Sievert rechtliche Probleme. Waschbären würden nach EU-Recht als invasive Art besonders restriktiv behandelt. Die Tiere müssten zunächst gefangen, transportiert und sterilisiert werden, bevor sie wieder freigelassen werden könnten. Solche Maßnahmen seien allenfalls über Ausnahmegenehmigungen möglich.


Quelle: mdr.de

Beitragsbild: Pixabay

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