Völkerschlachtdenkmal Leipzig: Neue Dauerausstellung zeigt unbekannte Räume
Nach der umfassenden Sanierung des Völkerschlachtdenkmals offenbart eine neue Dauerausstellung neue Räume in den Katakomben und zeigt die düstere Geschichte des Bauwerks. Vom Kaiserreich über den Nationalsozialismus bis zur DDR: Immer wieder wurde es in der Geschichte für Propaganda instrumentalisiert.
- Der entkernte Sockel des Völkerschlachtdenkmals beherbergt eine neue Dauerausstellung, die nun vollumfänglich für Interessierte geöffnet ist.
- Die Schau erzählt die Geschichte des Denkmals und wie es in Kaiserreich, Nationalsozialismus und DDR instrumentalisiert wurde.
- Dabei soll ein kritischer Blick auf die Geschichte vermittelt werden.
Die neue Dauerausstellung im Leipziger Völkerschlachtdenkmal kann man nun vollumfänglich besichtigen. Die Ausstellung „Ideen- und Nutzungsgeschichte des Denkmals“ zeigt neue Räume und Dimensionen des Denkmals.
Sie solle kritisch die Geschichte beleuchten, sagte der Kurator des Völkerschlachtdenkmals, Crawford Matthews, MDR KULTUR: „Das Denkmal wurde immer wieder instrumentalisiert, benutzt, umgedeutet, und wir thematisieren das und zeigen auch, was wir heutzutage mit dem Denkmal machen.“
Völkerschlachtdenkmal: Erinnert an 1813, erzählt von 1913
Das Denkmal erinnert an die Schlacht von 1813 gegen Napoleon, bei der 100.000 Soldaten starben. Eingeweiht wurde es aber erst 100 Jahre später, 1913, wobei der Bau in den 15 Jahren davor stattfand. Eigentlich stelle es damit ein Zeitdokument für die Zeit um 1913 dar, stellte Matthews fest.
2013, zur 200-jährigen Gedenken an die Völkerschlacht, wurde auch die umfassende Innensanierung abgeschlossen. Man hatte den Bauch des 91 Meter hohen Gebäudes entkernt, um darin in einer neuen Dauerausstellung die wechselvolle Geschichte des Denkmals zu erzählen.
Auf Müll gebaut
Historiker und Kurator Matthews zeigt zunächst den Fundamentbereich. „Ursprünglich war dieser Bereich gar nicht offen. Im Rahmen der großen Sanierung zum 200. Jahrestag der Schlacht wurde dieser neue Eingang geschaffen.“ Die zusätzlichen Ebenen werden heute als Ausstellungs- und Bildungsflächen genutzt.
In der Brunnenhalle ragen dicke Pfeiler aus Stampfbeton in die Höhe, es ist grau und riecht nach nassem Stein. Hier habe man in den letzten Jahren tonnenweise 100 Jahre alten Leipziger Hausmüll abtransportiert, mit dem das Denkmal befüllt war, erzählt Matthews. Schon mit Beginn der Sanierung, Ende der 1990er-Jahre, war klar: Die Geschichte des Denkmals wird einst in einer Ausstellung erzählt werden.
Kaiserreich, NS-Zeit, DDR – Jahrzehnte der Propaganda
Im Bauch des Völkerschlachtdenkmals geht es hoch in die erste Etage. In einem Raum flimmern Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg über eine Leinwand. Hitler habe am Völkerschlachtdenkmal 1933 eine Rede gehalten, erklärt Matthews. Und Obwohl er nur einmal hier gewesen sei, hätten die Nationalsozialisten danach das Denkmal für sich beansprucht und instrumentalisiert. „Wir setzen uns ganz bewusst damit auseinander und hoffen, dass es nicht wieder passiert“, betont der Kurator.
Entstanden in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig, thematisiert die Ausstellung stringent das Völkerschlachtdenkmal als Propaganda-Werkzeug. Im Kaiserreich, im Nationalsozialismus, in der DDR und als Kulisse für Aufmärsche der NPD nach dem Mauerfall.
Beleuchtete Schautafeln widmen sich chronologisch jedem Kapitel, dazu erzählt die Entstehungsgeschichte des Denkmals. Sie zeigen das Denkmal im Bau, von den bloßen Fundamentpfeilern bis zu letzten Arbeiten an der Denkmalskrone im Jahr 1911.
Die kritischen Perspektive auf Geschichte schärfen
So erfährt man auch mehr über die Geldgeber des Werks. Eine private Bürgerinitiative hinter dem Leipziger Architekten Clemens Thieme, der 1884 den Deutschen Patriotenbund als Bauherr gründete, sammelte Gelder über Lotterien und Spenden. Sechs Millionen Goldmark kamen so zusammen. Das wären heute etwa 30 Millionen Euro. Mit den rund 34 Millionen Euro für die Sanierung ist es ein kostspieliges Denkmal.
Doch weiter zur Schautafel über die DDR. Hier war das Völki, wie es die Leipziger nennen, ein Mahnmal für Völkerverständigung und Frieden. Für den Historiker Matthews war es aber auch zu dieser Zeit ein Ort der Geschichtsumdeutung. So hat man damals laut Matthews besonders betont, dass zur Völkerschlacht Russland und Deutschland Seite an Seite gegen Napoleon gekämpft hatten.
So will Matthews mit der Ausstellung eine kritische Perspektive auf Geschichte vermitteln. Für den Kurator ist das Völkerschlachtdenkmal ein Ort der Begegnung, des Diskurses. In der Ausstellung wird aber auch klar, ein Ort der Instrumentalisierung soll das Völkerschlachtdenkmal nie wieder sein.
Quelle: mdr.de
Bild: Pixabay

