Leipziger Jazztage 2026: Das 50. Jubiläumsfestival und ein halbes Jahrhundert Jazzgeschichte

Im Oktober 2026 veranstaltet Leipzig die 50. Ausgabe der Leipziger Jazztage 2026. Das internationale Forum für zeitgenössischen Jazz zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Jazzfestivals in Deutschland. Der veranstaltende Verein Jazzclub Leipzig e. V. bringt jährlich mehr als 100 Musikerinnen und Musiker auf die Bühnen der Stadt und vereint internationale Größen, Avantgarde-Pioniere sowie innovative Newcomer.

Historischer Rückblick: Vom Akademie-Keller auf die großen Bühnen

Die Geschichte der Leipziger Jazzszene ist einzigartig und eng mit der Kulturgeschichte der DDR verknüpft:

  • Anfänge in den 1970ern: Der Jazzclub Leipzig wurde bereits 1973 als Interessengemeinschaft im Kulturbund der DDR gegründet. Die ersten Jazztage fanden 1976 im Souterrain der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) statt.

  • Stetiges Wachstum: Das Festival wuchs schnell über intime Rahmen hinaus. Nach den Anfängen im Keller zog die Veranstaltung in den Festsaal der Deutschen Post und schließlich auf größere städtische Bühnen um. Dank persönlicher Kontakte der Organisatoren traten Künstler aus Ost- und Westeuropa sowie den USA auf. Dadurch entwickelte sich Leipzig zu einem besonderen Begegnungsort jenseits des Eisernen Vorhangs.

  • Aufbruch nach 1989: Auch nach der politischen Wende blieb das Festival bestehen. Bereits 1991 folgte ein bedeutender Schritt: Die Leipziger Jazztage wurden erstmals in der Oper Leipzig ausgerichtet, was den Status der Veranstaltung als kulturelles Großereignis unterstrich.

Wissenswerte Details zum Festival

  1. Jährliche Themenkonzepte: Die Veranstalter verleihen jeder Ausgabe einen spezifischen künstlerischen Schwerpunkt. In den vergangen Jahren standen die Ausgaben unter Motti wie „Cinematic Jazz“, „Sound of Heimat“ oder „Zwischen Mahler und Miles“.

  2. Audio-Radtour durch die Stadt: Anlässlich des 50. Jubiläums wird die Route „Jazz im Ohr“ angeboten. Am 18. Oktober 2026 führt eine geführte Radtour in Kooperation mit dem ADFC Leipzig zu sechs historischen Jazz-Orten der Stadt.

  3. Nachwuchsförderung: Gemeinsam mit der Stadt Leipzig und der Marion-Ermer-Stiftung wird jährlich der offizielle Leipziger Jazznachwuchspreis verliehen.

  4. Format „Talk & Music“: Neben den Konzerten bietet das Programm Raum für Diskussionsrunden. 2026 widmet sich ein Gespräch in der Moritzbastei der Geschichte des Musikjournalismus in der DDR, den Nachkriegsjahren sowie Fragen der Radioverbreitung und der Zugänglichkeit westlicher Musik.

Spielstätten

Die Festivalveranstaltungen verteilen sich über etablierte Kulturinstitutionen, historische Bauten und Clubs im gesamten Stadtgebiet:

  • Oper Leipzig — Bühne für große Orchesterbesetzungen und Hauptacts.

  • Schauspiel Leipzig — Das städtische Theater als zentraler Veranstaltungsort.

  • Thomaskirche und Philippuskirche — Historische Kirchenräume mit besonderer Akustik.

  • UT Connewitz — Das älteste erhaltene Lichtspieltheater Leipzigs.

  • die naTo, Horns Erben, Moritzbastei (Oberkeller) — Traditionelle Jazzclubs und Programmleiter.

  • Schaubühne Lindenfels, WERK 2, Kulturnhalle, Alter Speisesaal der Leipziger Stadtwerke sowie das Vary Café.

Programmübersicht 2026

Das Jubiläumsprogramm deckt ein breites Spektrum zeitgenössischer Jazzformen ab:

  • 9. Oktober (Warm Up): Auftakt in der Kulturnhalle mit dem Projekt „unknown to both of us“ von Musikerinnen und Musikern aus Leipzig und Paris.

  • 17. Oktober (Oper Leipzig): Konzert des Free-Jazz-Ensembles Globe Unity Orchestra von Alexander von Schlippenbach (zum 60. Bestehen des Kollektivs) sowie das Duo Charlie Hunter & Ella Feingold.

  • 18. Oktober: Audio-Radtour „Jazz im Ohr“, Auftritt der Formation Loaness in der naTo und Konzert der isländischen Band ADHD im UT Connewitz.

  • 19. Oktober: Deutsch-polnische Kollaboration Emilia Gołos + Philipp Rumsch, Vokalprojekt Sjaella & Fallwander in der Schaubühne Lindenfels und das brasilianische Duo „So says the drum“.

  • 20. Oktober: Auftritte des Trio AJAKS in Horns Erben, des Trios Bauer / Kalima / Drake sowie das Projekt „serenatas disponibles“ von Brandon Lopez.

  • 21. Oktober: Konzert des Pianisten Jason Moran („Jason Moran plays Duke Ellington“) sowie Solosets von Luke Stewart und Lea Bertucci in der Thomaskirche.

  • 22. Oktober: Duo Norma Winstone & Kit Downes, Auftritt des Bill Frisell Trio im Schauspiel Leipzig und Late-Night-Set von Pauline Réage feat. TAPE SHIFTER in der naTo.

  • 23. Oktober: Projekt „SOUND OF LEIPZIGER“ (GEZA COTARD), Auftritte von Sorvina und DJ-Set von Sarah Farina im WERK 2, Reza Askari ROAR Quintet sowie Late Night Session in der naTo.

  • 24. Oktober: Konzerte der Preisträger des Leipziger Jazznachwuchspreises (Jakob Obleser, Alma Gröning und Robert Lucaciu) im UT Connewitz sowie Auftritt des Vibraphonisten Joel Ross (Joel Ross’ Good Vibes) in der Philippuskirche.

  • 25. Oktober: Familienprogramm „Jazz für Kinder“ mit Live-Vertonung historischer Animationsfilme im UT Connewitz.

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Artikel erstellt von Stanislav Mustaev

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