Viel „Quak“ und so gar kein Quark beim Froschkönig im Puppentheater „Buratino“

Froschkönig

Viel „Quak“ und so gar kein Quark beim Froschkönig im Puppentheater „Buratino“

Ich bin Svenja, 38 Jahre und schaue mir heute zum ersten Mal ein Puppentheater an. Ich bin etwas
früher da und werde herzlich begrüßt. Michail, Geschäftsführer vom Verein „Brücke der Kulturen“,
und seine Frau Karina sind vorfreudig aufgeregt. Auch Jens, einen Mitarbeiter, kenne ich schon. Er
erzählt mir, dass er die böse Hexe im Stück „Der Froschkönig“ spielen wird.

Die Bühne ist natürlich schon aufgebaut, jetzt werden auch ein paar fröhliche Kinderlieder eingespielt. Auf der Leinwand hinter der Bühne läuft ein Video: Eulen, Häschen, alle fahren auf einem Zug und scheinen zu sagen: „Gleich geht die Reise hier los!“.

Wer bekommt die besten Plätze?

Es ist jetzt 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn, immer wieder klingelt es und Kinder, um die drei Jahre, steuern zielsicher in den Raum. Die ersten sichern sich gleich Plätze in der vordersten Reihe. Während die Eltern und Großeltern den Kindern noch die Jacken ausziehen und ihnen die Zöpfe richten, Haarspangen feststecken, schauen die meisten Kleinen bereits fasziniert auf die Leinwand, einige summen die Melodien mit. Währenddessen wuselt Chef Michail im Garderobenbereich herum, begrüßt alle Ankommenden persönlich, hängt ihre Jacken auf. Jetzt sind es noch fünf Minuten bis zum Spielbeginn und der Raum ist wirklich gut gefüllt. Eine Minute nach elf hastet noch ein Papa mit seiner Tochter an der Hand herein. Er hatte angerufen, natürlich wurde mit dem Spielbeginn gewartet. Nun sind zehn Kinder mit ihren Begleitern da.

Das Stück beginnt, die Kinder werden begrüßt

Jens steht vorne und begrüßt viele neue Gesichter. Dann stellt er das Stück „Der Froschkönig“ kurz vor und ermahnt die Kleinen spaßhaft, ja gut aufzupassen, denn am Ende des Stücks habe er noch ein paar Fragen an sie. Das Stück beginnt. Die Leinwand zeigt ein wunderschönes Schloss mit einem Garten davor. Der Erzähler, eine Puppe im Anzug, erscheint und beginnt, die Zuschauer ins Märchen hineinzuführen. Dann ändert sich plötzlich alles: Wir befinden uns in einem unheimlichen Wald. Prinz Edward trifft auf die gruselige Hexe, die ihn, verletzt durch sein Verschmähen, in einen Frosch verwandelt. Die Kinder sind gebannt. Es gibt keine Blicke zur Seite, kein Getuschel untereinander. Fällt nur mir auf, dass Edwards Pferd Heinrich dauernd zum rechten Rand der Bühne trabt und dort genüsslich von den Grasbüscheln frisst, während es seinem Reiter an den Kragen geht? Nun ist es jedenfalls geschehen: Edward, der hübsche Prinz, ist ein ziemlich dicker Frosch geworden. Ich bin richtig in den Bann gezogen, als Pferdchen und ehemaliger Prinz einen traurigen Kriegsrat halten.

Die Kinder lieben den lustigen Froschkönig

Nachdem Froschkönig Edward bei Prinzessin Miranda und ihrer zickigen Schwester abgeblitzt ist, wird es lustig: Auch ein Frosch kann gepflegt daherkommen, denkt sich Edward und beginnt, sich die Zähne zu putzen und mit einem Schwamm abzurubbeln. Die Kinder beginnen, zu kichern, ich sehe auch Erwachsene lächeln. Als sich der Frosch zum krönenden (haha) Abschluss noch ordentlich mit Parfum eindieselt, lachen wirklich alle, auch die Eltern und Großeltern.

Die gruselige Hexe

Als das Zuhause der bösen Hexe auf der Bühne dargestellt wird, wird es richtig wild: Spiegel mit schwarzer Spitze, Spinnweben und vor allem böse Fledermäuse sind jetzt zu sehen. Die Hexe schreitet wütend durch ihr dunkles Reich. Ein Kind weit vorne ruft: „Das ist wirklich eine böse Hexe!“ Die Kinder sind jetzt richtig aufgeregt!

Ende gut, alles gut

Doch, natürlich, geht das Märchen gut aus. Prinz Edward hat nun wieder Arme und kann seine Prinzessin Miranda an sich ziehen, während die beiden tanzen. Das Publikum applaudiert, Jens taucht auf und fragt die Kinder, wie es ihnen gefallen habe. Ein kleines Mädchen zeigt ihm zwei Daumen hoch. Nun fragt Jens, an welche Figuren sich die Kinder denn erinnern können. Zunächst zaghaft werden ein paar Hauptfiguren genannt, die dann noch einmal zu einer Ehrenrunde auf der Bühne erscheinen. Dann werden die Kleinen mutiger. Immer lauter rufen sie :“Der Igel! Da war ein Igel!“ und dann: „Und die Fledermäuse!“. Auch die flattern noch einmal im Sturzflug über die Bühne. Zum Schluss erscheint noch einmal das Pferd Heinrich, es galoppiert und schlägt aus, die Kinder lachen wie verrückt.

Nach der Vorstellung ist vor der Vorstellung

Ich bleibe sitzen, während sich der Raum leert. Die Eltern und Großeltern sehen entspannt, die Kinder sehr zufrieden und etwas verträumt aus. Ich bedauere ein wenig, noch nie zuvor in einem Puppentheater gewesen zu sein und kann nur jede Mami, jeden Papi, jede Oma und jeden Opa aufrufen: Schaut es euch einmal an! Es wird nicht nur euren Kindern oder Enkeln gefallen. Vielleicht sehen wir uns ja am 12. September um 11 Uhr zu „Dornröschen“. Oder zur Premiere von „Der Schweinehirt“ am 31. Oktober. Und falls ihr da seid: Achtet auf die Stimme der Hofdame. Denn die werde ich einsprechen. Das haben Michail und seine Frau Karina spontan innerhalb der ersten zwei Minuten vor der Vorstellung mit mir beschlossen.


Besucht das Puppentheater zu den nächsten Aufführungen: My Calendar – Leipzig-Brücke der Kulturen e.V. & Zeitschrift MOST

Autor: Svenja Szalla, Leipzig

Related posts