Jobs in Gefahr durch KI? Ja oder nein?

Jobs

Viele fürchten sie als stillen Jobkiller. Als Maschine, die ganze Berufe frisst. Doch eine neue Studie kommt zu diesem Befund: Künstliche Intelligenz vernichtet keine Jobs. Sie wirbelt sie durcheinander. Forscher vom Kiel Institut für Weltwirtschaft haben den Arbeitsmarkt über Jahre hinweg analysiert. Ihr Ergebnis widerspricht dem gängigen KI-Schreckensbild, zumindest auf den ersten Blick.

Jobs bleiben – Aufgaben verschwinden

Das zentrale Ergebnis: Trotz rasanter technischer Entwicklung bleibt die Gesamtbeschäftigung stabil. Doch diese Stabilität täuscht. Denn KI ersetzt keine Menschen – sie ersetzt Aufgaben.

Besonders betroffen sind Berufe mit hohem kognitivem Anteil und wenig sozialem Kontakt. Dazu zählen Datenanalyse, Softwareentwicklung oder Übersetzungen. Körperlich geprägte Tätigkeiten im Handwerk, in der Produktion oder in der Pflege sind bislang deutlich weniger betroffen, weil sie physische Präsenz und menschliche Nähe erfordern.

Im Büroalltag ist der Wandel deutlich spürbar. Bilderkennung, automatische Übersetzung und Texterstellung setzen Assistenzfunktionen, Callcenter-Tätigkeiten und klassische Sachbearbeitung unter Druck. Dinge zu dokumentieren und Informationen zu beschaffen – das lässt sich zunehmend automatisieren. Das ist es, was herkömmliche Stellenprofile bedroht.

Sprach-KI schafft neue Jobs

Gleichzeitig zeigt die Studie ein Gegenbild. Allgemeine KI auf Basis großer Sprachmodelle wie Chatbots oder KI-Assistenten wirkt sich positiv auf die Beschäftigung aus. Unternehmen mit intensiver Nutzung solcher Systeme stellen häufiger ein – auch in Produktion und Management.

Der Grund: Sprach-KI übernimmt Routinen und entlastet bei der „Papierarbeit“. Beschäftigte gewinnen Zeit für kommunikative, koordinierende oder physische Aufgaben. Wir müssen uns also anpassen und fortbilden.

„Höhere KI-Exposition hat keinen messbaren Effekt auf die Gesamtbeschäftigung, verlangt aber systematisch nach einer Höherqualifizierung“, sagt Holger Görg, Forschungsdirektor am Kiel Institut für Weltwirtschaft und Mitautor der Studie.

Besonders für mittlere Qualifikationsniveaus im Büro steigt der Druck. Aufgaben verschwinden schneller, neue Rollen entstehen nicht automatisch. Die Jobs bleiben – aber sie verändern sich.

Millionen Arbeitsdaten ausgewertet

Grundlage der Studie vom Kiel Institut für Weltwirtschaft sind anonymisierte Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Daten aus Dänemark, Portugal und Schweden. Der untersuchte Zeitraum reicht allerdings nur von 2010 bis 2023.

Forscher untersuchten Millionen Datensätze. Sie zerlegten den KI-Fortschritt in neun Teilbereiche, darunter Sprachverarbeitung, Textgenerierung, Bilderkennung sowie Entscheidungs- und Empfehlungssysteme. Diese Technologien wurden einzelnen Berufsgruppen zugeordnet, um ihre Auswirkungen sichtbar zu machen.


Quelle: Bild.de

Symbolbild: Freepik

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