Gifhorn Palast, Mühlenmuseum und russisch-orthodoxe Kirche von Horst Wrobel

Sehr geehrter Herr Wrobel, ihr Museumszentrum in Gifhorn ist eine Insel russischer historischer Architektur für unsere Landsleute. Hier können sie russische Kunst und Architektur kennenlernen. Dies ist nicht nur für die jüngere Generation mit russischen Wurzeln sehenswert, sondern auch für europäische Besucher, die die Möglichkeit haben, in die Atmosphäre und Kultur des alten Russlands einzutauchen.
Ich möchte Ihnen sagen, dass der „Integrationsverein Leipzig – Brücke der Kulturen e.V.“, den wir vertreten, auch als eine Art Brücke fungiert. Wir geben nämlich seit 15 Jahren die monatlich erscheinende russischsprachige Zeitschrift „MOST“ („Brücke“) heraus. Unsere Hauptthemen sind Kultur, Geschichte, russische Spuren in Leipzig, Sachsen und Deutschland.

Interview

Herr Wrobel, wie kamen Sie auf die Idee solch ein ungewöhnliches Projekt ins Leben zu rufen?

Erstmal freue ich mich, dass Sie gekommen sind und heiße Sie herzlich willkommen. Ja, wissen Sie, ich erzähle Ihnen ein paar Dinge, von denen man Jahre zuvor noch gar nicht geträumt hätte. Ich hatte nämlich das große Glück, Herrn Michael Gorbatschow, den letzten Präsidenten der damaligen Sowjetunion, kennen zu lernen. Und wenn man so einer wunderbaren Persönlichkeit der Geschichte begegnet, dann beginnen bestimmte Ideen förmlich zu sprudeln. Ich habe ihn 1994(?) in Moskau besucht. Er hatte mich zu seinem Geburtstag eingeladen. Das alles machte einen großen Eindruck auf mich. Er sprach unter anderem auch davon, „das Haus Europa“ mit zu bauen und dabei kam mir die Idee, dort, wo einmal der „Eiserne Vorhang“ entlang ging, wäre es doch angebracht, ein Gebäude der kulturellen Begegnung von Menschen aus Ost und West zu errichten. Die Wiedervereinigung Deutschlands, die wir ja größtenteils den Russen zu verdanken haben, veranlasste mich aus Dankbarkeit dazu, diese Kirche im russisch-orthodoxen Stil zu bauen. In ihr sind übrigens schon mehr als dreitausend russisch-orthodoxer Christen getauft worden.

Warum haben Sie sich gerade für eine russisch-orthodoxe Kirche im russischen Bau- bzw. Kunst-Stil entschieden?

Ich hatte davon keine Ahnung. Aber ich habe mal, nachdem die Mauer gefallen war, einen weihnachtlichen Gottesdienst in Moskau besucht. Ich war von dieser Veranstaltung äußerst fasziniert. Sie hat mir so gut gefallen, dass ich mich für die russisch-orthodoxe Kirche zu interessieren begann.

Welche Rolle hat Mikhail Gorbachov in Gifhorn gespielt?

Er erklärte sich bereit, die Schirmherrschaft des Projektes zu übernehmen. Leider verlief das Projekt nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte. Das Gebäude selbst ist zwar fertig. Aber wir brauchen mehr Leben hier. Und es scheint auch noch so zu sein, dass sich die Politiker kaum für das kulturelle Leben zwischen Ost und West interessieren.

Und Vladimir Putin? Haben Sie versucht, mit ihm ein Kontakt aufzunehmen?

Herr Putin war hier im Jahr 1992 und besuchte das Mühlen-Freilichtmuseum. Allerdings war er damals noch kein Präsident. Wir haben eine Glocke gegossen. Die hängt jetzt irgendwo in Sankt-Petersburg. Für mich war das ein unvergleichliches Erlebnis, Vladimir Putin persönlich kennen zu lernen. Er war in Begleitung des damaligen Sankt-Petersburger Bürgermeisters Herrn Sobchak. Sie haben das Modell gesehen.

Wie lange hat der Bau des einzigartigen Glocken-Palastes gedauert? Er ist einfach erstaunlich.

Geplant war eine Bauzeit von zwei Jahren und dann traten die ersten Probleme auf. Der Verein, der das Projekt fertig stellen sollte, hatte gekündigt. Daraufhin nahm ich das ganze Projekt selbst in die Hand. Ich hoffte auf Unterstützung. Aber sie blieb aus. Ich machte alle Schwierigkeiten durch, die bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung auftreten können, bis hin zur mehrmaligen Zahlung der Baugenehmigung. Die Bauzeit erstreckte sich dann über 16 Jahre.

Sie haben viel Seele und Kraft in dieses grandiose Architekturensemble investiert. Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Projekts?

Man sagt, dass man sich seine Eltern nicht aussuchen kann. Die größte Glocke der Welt wurde in Moskau gegossen. Diese Glocke habe ich nachgebaut. Die steht oben auf dem Gebäude. Auf dieser Glocke steht der Heilige Josef – der Schutzpatron der Künstler und Handwerker. Ich hoffe, dass ER nicht zulässt, dass dieses Gebäude untergeht, sondern weiter mit Leben erfüllt bleibt.

Wir sind Ihnen außerordentlich dankbar, dass Sie versucht haben, durch Kunst und Kultur gutnachbarschaftliche Beziehungen zwischen verschiedenen Ländern aufrechtzuerhalten. Wir wünschen Ihnen Gesundheit und viel Erfolg für die Umsetzung Ihrer Pläne.

Danke

Produktion: MVMEDIA Leipzig Zeitschrift „MOST“
Interview: Mikhail Vachtchenko

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