Archäologen entdecken Leipzigs ältestes Grab

Archäologen

Es ist ein Glücksfund für die Archäologen. In Leipzig Möckern haben sie die bisher älteste Grabstätte der Stadt gefunden. Mit einem Alter von vermutlich mehr als 7.000 Jahren ist es zudem eines der ältesten Gräber in ganz Sachsen. MDR SACHSEN beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Funde.

Was haben die Archäologen entdeckt?

Die Archäologen haben eine Siedlung aus der Jungsteinzeit entdeckt, erklärte Saskia Kretschmer. Sie ist Gebietsreferentin für Leipzig im Landesamt für Archäologie. Es sei die Zeit, in der unsere Vorfahren sesshaft wurden und begannen Viehzucht zu treiben, erläuterte Kretschmer. Die Archäologen entdeckten demnach vier Hausgrundrisse und Werkzeuge wie Sicheln und Beile aus Stein.

Wir haben an einem Gebäude das Grab einer Person entdeckt aus dieser Zeit. Das ist schon sehr außergewöhnlich, weil wir aus Sachsen nur sehr wenige Gräber kennen. 

Saskia Kretschmer | Gebietsreferentin für Leipzig im Landesamt für Archäologie

Ein ganz besonderer Fund seien nicht nur Knochenreste von Rindern und Schweinen gewesen. „Wir haben an einem Gebäude das Grab einer Person entdeckt aus dieser Zeit. Das ist schon sehr außergewöhnlich, weil wir aus Sachsen nur sehr wenige Gräber kennen. Wir haben eine große Anzahl an Siedlungen in Sachsen gefunden, wissen aber nicht, wie deren Bewohner bestattet wurden.“

Was wissen die Archäologen bisher über das Leben der Person in der Grabstätte?

Die Person habe vermutlich in der frühen Jungsteinzeit gelebt, erklärte der Leiter der Grabungsstätte, Thomas Lukas. Aufgefundene Keramikreste wiesen auf die sogenannte linearbandkeramische Kultur hin. Erhaltene Keramiken aus dieser Zeit weisen besondere linienförmige Muster auf. Die Person selbst wurde Lukas zufolge in einer Art Embryonal-Stellung bestattet. Das sei typisch für diese Zeit.

Doch es gebe noch viele offene Fragen zu klären, so Lukas. Probleme bereite es, das Geschlecht zu bestimmen, da die Knochen schlecht erhalten seien. „Ansonsten ist noch Hoffnung, dass noch DNA in den Knochen erhalten ist und wir eine DNA-Analyse machen können. Und wir aufgrund dieser DNA sagen können: ‚Woher kommt der Mensch? Welches Geschlecht hat er? Ist er hier aufgewachsen? Kam er von woanders?'“

Wie kam es zu den Fund?

Auf der Fläche an der Hans-Beimler-Straße soll ein neuer Schulkomplex entstehen. Zuvor standen hier Plattenbauten, die abgerissen wurden. Funde hat es hier schon zuvor aus der Bronzezeit gegeben. Doch die Archäologen hätten nicht geglaubt, auf eine so reiche Fundstätte zu stoßen, erklärte Grabungsleiter Lukas. Dabei komme ihnen die Beschaffenheit des Bodens zu gute, betont er. „Dass liegt daran, dass der Boden hier noch Kalk enthält. Wir haben hier nicht so saure Böden wie sonst in Leipzig oder in Sachsen. Deswegen sind die Knochen erhalten.“ Er hoffe auch noch auf Grabbeigaben zu stoßen.

Ich hatte noch nie ein Skelett aus dieser Zeit vor mir liegen.

Thomas Lukas | verantwortlicher Grabungsleiter

Was macht den Fund für den Archäologen so besonders?

Er beschäftige sich seit 20 Jahren mit der linearbandkeramischen Kultur, sagte Lukas. Dabei habe er jedoch immer nur Hausgrundrisse und den Abfall der vor rund 7.000 Jahren lebenden Menschen untersuchen können. „Ich hatte noch nie ein Skelett aus dieser Zeit vor mir liegen.“ Für ihn sei es beeindruckend, dass erste Mal auch tatsächlich die Überreste eines Menschen untersuchen zu können, dessen Leben er seit Jahren erforscht.


Quelle: mdr.de

Symbolbild: Magnific KI