Im Oktober 2025 verbrachten Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie aus einkommensschwachen Familien aus dem Leipziger Osten eine erlebnis- und lehrreiche Zeit im Feriencamp in Klingenthal und beim anschließenden Tagesausflug zum Schloss Colditz. Unter dem Motto „Spielend Sprache lernen, tanzend Freundschaften schließen“ war es dem TSV Joker e.V. dank finanzieller Förderung durch den Freistaat Sachsen (Sächsische Aufbaubank) möglich, 25 Schülerinnen im Alter von 10 bis 14 Jahren zu einer pädagogisch begleiteten Entdeckungsreise ins Vogtland und den Muldentalkreis einzuladen.
Unsere gemeinsame – alte oder neue – Heimatstadt Leipzig ist geprägt von kultureller Vielfalt. Im Stadtgebiet Leipziger Osten, in dem der gemeinnützige Tanzsportverein Joker e. V. seine Räumlichkeiten und seinen Wirkungskreis hat, leben viele migrantische und einkommensschwache Familien. Gleichzeitig fehlt es hier an niedrigschwelligen und kostenfreien Freizeitangeboten. Spracherwerb und soziale Teilhabe als zentrale Pfeiler einer inklusiven Gesellschaft bedürfen einer deutlich stärkeren Förderung.
Hier setzt die tägliche kulturelle und künstlerische Arbeit des gemeinnützigen Vereins an – ebenso wie das hier vorgestellte Projekt. In Zusammenarbeit mit weiteren Vereinen und freien Trägern organisiert der Verein Kurse, Workshops und Bildungsfahrten. Ziel ist es, das kreative und künstlerische Ausdrucksvermögen von Kindern und Jugendlichen bewegungsorientiert durch zeitgenössischen Tanz und Theater zu stärken, ihre Sprachentwicklung spielerisch zu fördern und soziales Miteinander in einem geschützten Rahmen zu ermöglichen.
Feriencamps und Ausflüge bieten darüber hinaus wertvolle Gelegenheiten, neue Erfahrungsräume zu eröffnen. Abseits des großstädtischen Alltags können Heranwachsende in der Gruppe Gleichaltriger, begleitet von erfahrenen Pädagog:innen, Selbstständigkeit, Kooperation und Verantwortungsbewusstsein erproben – und dabei neue Perspektiven entwickeln.
Unterstützt wurde das Projekt durch den Integrationsverein “Leipzig – Brücke der Kulturen e.V.” sowie das Deutsch-Russische Hilfswerk zur Heiligen Alexandra e.V., die insbesondere bei der Teilnehmer:innen-Gewinnung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Ausleihe von Technik tatkräftig mitwirkten.
Vom 9. bis zum 18. Oktober reiste die Gruppe mit der Deutschen Bahn nach Klingenthal – einer idyllischen Musikstadt mit Lyra im Wappen und langer Tradition des Instrumentenbaus (z.B. der Mundharmonikaherstellung) –, eingebettet in die Gebirgslandschaft des Naturparks Erzgebirge / Vogtland. Für die Projektinhalte bietet dieser Ort ideale Bedingungen, um Natur- und Freizeiterlebnisse mit kreativen und lehrreichen Workshops der erfahrenen Choreografin und Theaterpädagogin Alina Goncharenko zu verbinden.
Auf dem Programm standen vielfältige sprachfördernde Angebote wie Sprachrätsel, Wörter-Memory und Geschichten-Puzzle. In interkulturellen Workshops erzählten die Kinder und Jugendlichen in Kleingruppen Geschichten aus ihren Herkunftsländern oder reflektierten in Tänzen Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Kulturen. Selbst gestaltete Freundschaftsbänder wurden getauscht, und in einer Upcycling-Werkstatt entstanden aus recycelten Materialien kleine Kunstwerke.
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Mit großem Engagement setzten sich die Teilnehmenden zudem mit unterschiedlichen Diskriminierungsformen auseinander – darunter Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ableismus, Lookismus und Ageismus. Die Recherche- und Diskussionsergebnisse bereiteten sie in Präsentationen und Kurzvorträgen auf und verarbeiteten sie anschließend kreativ in szenischem Tanz und Theater.
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Umgeben von Bergen und Wäldern, gehörte auch das Erkunden der Umgebung zum Camp-Alltag: Wanderungen – teilweise bis in die nahe Tschechische Republik –, naturpädagogische Aufgaben und Quizformate standen ebenso auf dem Programm wie tägliche Ausflüge, z.B. zur Sommerrodelbahn Mühlleiten, in den Tierpark Klingenthal, zur Vogtland Arena mit Skischanze oder ins Erlebnisbad nach Schöneck.

Am frühen Abend fanden regelmäßig Reflexionsrunden statt. In Tandemgesprächen, in der großen Runde oder mithilfe von Post-its und Zeichnungen an der Wall of Moments reflektierten die Kinder und Jugendlichen ihre Erlebnisse, Herausforderungen und Lernerfahrungen.
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Begeistert, voller neuer Eindrücke und mit der ein oder anderen frisch geknüpften Freundschaft kehrten die Camp-Teilnehmerinnen schließlich nach Leipzig zurück.
Eine Woche später trafen sich viele von ihnen erneut beim Tagesausflug vom 25. bis 26. Oktober ins landschaftlich reizvolle Muldental. Ziel war die sächsische Kleinstadt Colditz im Landkreis Leipzig, mit Übernachtung in einer Jugendherberge im Kurort Bad Lausick. Die Anreise mit Bahn und Bus war unkompliziert und gut zu bewältigen.
Mit sogenannten HistoPads – interaktiven Tablets mit Informationen, Karten, Bildern und Videos – erkundeten 20 Kinder und Jugendliche das Schloss Colditz im Rahmen eines multimedialen Erlebnisrundgangs. Das Schloss erlangte internationale Bekanntheit als Kriegsgefangenenlager alliierter Offiziere im Zweiten Weltkrieg. Zahlreiche Filme, Brett- und Videospiele – meist unter dem Titel Escape from Colditz –, greifen die spektakulären Fluchtversuche der damaligen Insassen auf.

Darüber hinaus vermittelte eine umfangreiche Sammlung von Steingut und handgezeichneten Dekoren Einblicke in die Geschichte des VEB Porzellanwerk Colditz – eines Produktionsbetriebs von internationaler Bedeutung, der zwischen 1969 und 1990 vielen Menschen aus Colditz und der Region Arbeit geboten hat.
Am folgenden Tag rundete ein Besuch des Erlebnisbades RIFF in Bad Lausick den Ausflug ins Muldental ab.
Teilnehmerinnen und Betreuerinnen von Feriencamp und Tagesausflug sind sich einig: Die gemeinsam verbrachte Zeit im Vogtland / Erzgebirge und im Muldental war für alle Beteiligten gleichermaßen erlebnis- wie lehrreich.
Kenneth Malu Plasa
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